Eingewöhnung in der Krippe – ein wichtiges Qualitätsmerkmal

Die Eingewöhnung findet in Anlehnung an das Berliner Eingewöhnungsmodell, sowie das Münchner Modell statt. Hier sind Auszüge aus beiden Modellen enthalten.

(Literatur: Laewen, Andres, Hédervári: Die ersten Tage – ein Modell zur Eingewöhnung in die Krippe und Tagespflege, Beltz-Verlag / Anna Winner, Elisabeth Erndt-Doll: Anfang gut? Alles besser!, Verlag das Netz)

„Meine Mutter / mein Vater und ich können uns beruhigt voneinander verabschieden. Sie / Er hat mir gezeigt, dass ich hier bedenkenlos bleiben kann und meine Erzieherin auf mich aufpasst. Ich bin gut versorgt und außerdem wartet ein toller Spielmorgen mit anderen Kindern auf mich. Und meine Mutter / mein Vater kommt wieder, holt mich ab und wir gehen gemeinsam nach Hause.“

(Kindergarten heute spezial „Kinder unter drei – Bildung, Erziehung und Betreuung von Kleinstkindern“, Seite 32/33, Herder Verlag)

Gemäß den Ergebnissen der Bindungsforschung wird dieses Ziel am sichersten durch eine elternbegleitende, bezugsorientierte und abschiedsbewusste Eingewöhnung erreicht.

Elternbegleitet

Das Gelingen der Eingewöhnung hängt maßgeblich von der Anwesenheit einer primären Bezugsperson, z.B. der Mutter oder dem Vater, welche in den ersten Tagen vor allem als sicherer Hafen für das Kind fungiert, ab.

Auch für die erwachsene Bezugsperson ist diese erste Zeit mit vielen Gefühlen verbunden. Durch die eigene Anwesenheit haben die Eltern die Möglichkeit ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu bewältigen, die zunächst fremde Bezugserzieherin sowie die Einrichtung und deren Umgebung kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und Ängste abzulegen.

Der Eingewöhnungsverlauf richtet sich nach dem Verhalten des Kindes, wodurch die Gesamtdauer der Elternbegleitung immer wieder individuell und flexibel abgesprochen werden muss.

Bezugspersonenorientiert

Eltern und Kind wird für die Eingewöhnung eine Bezugserzieherin zur Seite gestellt, die zunächst ihre vorrangige Ansprechpartnerin und Kontaktperson ist.

„Diese Ansprechpartnerin soll sowohl Eltern als auch dem Kind helfen die Fülle an Angeboten, Personen und Informationen durchschaubar zu machen.“

(Anfang gut? Alles besser! „Ein Modell zur Eingewöhnung in Kinderkrippen und anderen Tageseinrichtungen für Kinder“, Seite 28, Verlag das Netz)

Zum Beginn der Eingewöhnungszeit beobachtet die Bezugserzieherin das Verhalten des Kindes und nimmt dann jeweils in einer individuellen Form Kontakt zu ihm auf.

Die Bezugsperson (Mutter/Vater) nimmt in dieser Zeit die Rolle des „sicheren Hafens“ ein. Dies bedeutet, dass sie von dem Kind jederzeit aufgesucht werden kann und dieses bei Kontaktwunsch nicht weggeschickt wird. Jedoch sollte der Erwachsene Spielinitiative mit ihrem oder anderen Kindern vermeiden, da dieses Kind in der Einrichtung lernen soll Kontakt zu anderen Kindern und Erzieherinnen aufzunehmen.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine Erziehungspartnerschaft zwischen Erzieherin und Eltern, und eine von Vertrauen gestützte Beziehung zwischen Erzieherin und Kind. Dieses Vertrauen wird das Kind später auf die anderen Mitarbeiterinnen der Einrichtung übertragen können.

Abschiedsbewusst

Die bewusst gestaltete Abschiedssituation ermöglicht es, aufkommende Gefühle zu erfahren und zu verarbeiten. Dies gewährleistet einen gelungenen Start in die Krippenzeit und eine grundlegende, positive Erfahrung mit Trennungen und Abschied.

Sich ohne Abschied hinauszuschleichen erleichtert einem Kind die Trennung nicht, da der unerwartete Verlust der vertrauten Bezugsperson irritierend, und die nicht Vorhersehbarkeit angsteinflößend ist.

„Deshalb muss es einen klaren Abschied geben, zu dem bald das verinnerlichte Vertrauen auf die Rückkehr der Mutter / des Vaters gehört.“

(Kindergarten heute spezial „Kinder unter drei – Bildung, Erziehung und Betreuung von Kleinstkindern“, Seite 34/35, Herder Verlag)

Dieser deutliche Abschied ermöglicht es dem Kind Strukturen zu erkennen und gibt Orientierung. Die Mutter / Der Vater verabschiedet sich liebevoll und herzlich von ihrem Kind und geht – „Kuss und Schluss!“

Lange Abschiede lassen das Kind die Unsicherheit spüren. Ein selbstsicheres Übergeben des Kindes an die Bezugserzieherin vermittelt hingegen dem Kind, dass der Betreuungswechsle als richtig und gut empfunden wird.

„Erzähl es mir, und ich werde es vergessen.

Zeige es mir, und ich werde mich erinnern.

Lass es mich tun, und ich werde es behalten.“

Konfuzius

Ablauf der Eingewöhnung

Die ersten 6 Tage der Eingewöhnung sind „Kennenlerntage“. Diese dienen dem Erleben des Tagesablaufes, der Kinder und der Erzieherinnen. Das Kind erhält so die Möglichkeit die einzelnen Tagesabschnitte und Krippenrituale kennenzulernen. Im weiteren Verlauf der Eingewöhnung wird dies Ihrem Kind helfen sich im Tagesablauf zu orientieren und die verschiedenen Abfolgen vorherzusagen. Diese Orientierung an Ritualen und Abläufen gibt Sicherheit und erleichtert das Ankommen. Auch das Mitbringen eines Kuscheltieres, Schmusetuchs oder Schnullers kann gerade in der ersten Zeit Sicherheit geben und Ihrem Kind helfen sich in Trennungssituationen zu beruhigen. An dieser Stelle ist es am sinnvollsten sich auf einen Krippenbegleiter, z.B. immer dasselbe Kuscheltier, festzulegen und dieses von Beginn an mitzubringen.

Der 1. Tag

Wir möchten Ihnen und Ihrem Kind am 1. Tag der Eingewöhnung einen guten Start ermöglichen.

Etwa 30-45 Minuten Anfangsaufenthalt hat sich für das Kleinstkind bewährt; das ist meist lange genug, um erste Eindrücke von der Bezugserzieherin zu bekommen, aber noch nicht zu lange, um gleich von all dem Neuen überfordert zu sein.

Während der Eingewöhnung macht die Erzieherin hauptsächlich Spielangebote an ihr Kind, nimmt vorsichtig Kontakt zu ihm auf und lernt seine Persönlichkeit und Interessen kennen. Sie geben Ihrem Kind sicheren Halt und bestärken es, Kontakt zu anderen Kindern und der Bezugserzieherin aufzunehmen.

Der 1. Tag findet nicht an einem Montag (oder direkt nach einem Feiertag) statt, damit die bestehende Krippengruppe die Möglichkeit hat, sich wieder auf den Krippenalltag einzustellen.

Der erste Trennungsversuch

Der Zeitpunkt des ersten Trennungsversuchs ist abhängig von dem kindlichen Verhalten, welches jeweils durch die Individualität jedes Einzelnen bestimmt wird, und kann deshalb zeitlich nur ungefähr festgelegt werden (frühestens am siebten Krippentag).

Nach ausreichender Beobachtung seines Verhaltens und Absprache mit Ihnen wird der Tag der ersten Trennung vereinbart.

Nach einem klaren Abschied ist es dann soweit, und Sie verlassen für maximal 10-20 Minuten das Zimmer. Bevor Sie gehen, versichern Sie Ihrem Kind, dass Sie kurz weggehen und bald zurückkommen. (Unter dem Abschnitt „Abschiedsbewusst“ finden sie weitere Informationen zur Gestaltung der Verabschiedung).

Während der Trennungszeit sollten Sie sich zunächst in der Einrichtung aufhalten. In unserem Elternzimmer haben Sie die Gelegenheit zu lesen oder bereits die ersten Seiten des Portfolios Ihres Kindes zu gestalten.

Das Ende der Trennungszeit wird Ihnen von einer Erzieherin mitgeteilt. Nach kurzer Rückmeldung über das Verhalten Ihres Kindes während Ihrer Abwesenheit und der Gestaltung des nächsten Tages ist der Krippentag beendet.

Dies ist wichtig, damit Ihr Kind mit dem Abschied nicht nur die Trennung, sondern auch die Wiederkehr und das gemeinsame Nachhause-Gehen verbinden kann.

Weitere Trennungsversuche

Nach jeder Trennung wird die Bezugserzieherin mit Ihnen den weiteren Verlauf, den Zeitpunkt und die Dauer des nächsten Trennungsversuches abzusprechen. Mit zunehmender Sicherheit Ihres Kindes und der Intensivierung des Erzieherinnen-Kind-Kontaktes werden die Trennungszeiten langsam gesteigert. Die stundenweise Trennung kann schließlich zur halbtägigen Trennung ausgeweitet werden – in einigem Abstand, zur ganztägigen.

Die Gesamtdauer der elternbegleitenden Eingewöhnung richtet sich nach dem Verhalten des Kindes!

Die Eingewöhnung kann dann als abgeschlossen bezeichnet werden, wenn sich Ihr Kind von seiner Bezugserzieherin trösten lässt, Interesse an anderen Kindern und deren Beschäftigungen zeigt und zu spielen beginnt.

Weinen in der Eingewöhnung

Der Abschied des Elternteils löst meist deutliches Bindungsverhalten beim Kind aus. Hierbei ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind der Bezugserzieherin übergeben, damit diese es Ihnen nicht „aus den Armen reißen“ muss. Ansonsten könnte beim Kind das Gefühl entstehen, Ihnen weggenommen zu werden. Dies wäre nicht förderlich für einen guten Erzieherinnen-Kind-Kontakt.

Ihr Kind darf bei der Trennung weinen!

Schreien, Weinen und Suchen nach dem Elternteil weist lediglich auf eine gute, enge Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind hin.

Die Bezugserzieherin nimmt das Kind mit seinen Emotionen an und unterstützt es dabei Bewältigungsstrategien für den Umgang mit dieser neuen Situation zu finden. Sobald sich das Kind beruhigt hat, kann es sich schließlich auch auf die Situation einlassen und sein Spiel- und Erkundungsverhalten entfalten.

Unterbrechungen ( durch Krankheit, Urlaub oder ähnliches ) der Eingewöhnungszeit

Unterbrechungen der Eingewöhnungszeit können immer mal wieder vorkommen. Teilweise entstehen diese durch Schließzeiten, Urlaub oder ähnliches. Es ist auch keine Seltenheit, dass Kinder gerade in der Eingewöhnungszeit krank werden.

Häufig kommt dann schnell die Angst auf, dass die Unterbrechung das Kind in der Eingewöhnung zurückwirft. Diese Sorge ist allerdings unbegründet.

Gerade in Übergangsphasen müssen Kinder mit vielen neuen Emotionen und Eindrücken umgehen. Die Kinder geraten durch die neue Situation aus dem Gleichgewicht, Ihrem gewohnten Rhythmus und müssen gleichzeitig viel Neues lernen. Dies schwächt unter anderem das Immunsystem, welches zeitgleich auf viele neue Krankheitserreger reagieren muss.

Der kindliche Körper reagiert hier sehr gesund, holt sich eine Auszeit vom Entwicklungsdruck und wird krank.

Gönnt man dem Kind an dieser Stelle ausreichend Genesungszeit, kann es gestärkt in die Einrichtung zurückkehren. Teilweise wirken Kinder danach sogar wie verwandelt und es scheint häufig so, als wäre die Eingewöhnung währende der Unterbrechung weitergegangen.

Voraussetzung hierfür ist, dass das Kind wirklich richtig gesund werden konnte.

Übergang von der Krippe in den Kindergarten

Der Vorteil unserer Einrichtung ist, dass Krippe und Kindergarten unter einem Dach sind. Das bedeutet für die Eltern eine Entlastung, da die Eingewöhnung in den Kindergarten von den jeweiligen Bezugserzieherinnen aus der Krippe übernommen wird.

Hierzu findet im Vorfeld, ca. 4 Wochen vor dem 3. Geburtstag, ein Elterngespräch mit der Krippen- und der zukünftigen Kindergartenerzieherin statt.

In diesem Gespräch wird der Ablauf der Eingewöhnung besprochen und ein Termin zum Abschied feiern vereinbart (dies ist dann auch gleichzeitig der letzte Krippentag). Weiterhin füllt die Erzieherin gemeinsam mit den Eltern einen von uns konzipierten Fragebogen aus, um sich einen ersten Eindruck vom Kind zu verschaffen.

Der erste Besuch des Kindes im Kindergarten findet gemeinsam mit seiner Bezugserzieherin statt. Diese bleibt für eine kurze Zeit mit dem Kind in der Gruppe und geht dann wieder in die Krippe zurück.

Am zweiten Tag gehen beide wieder in die Gruppe und die neue Bezugserzieherin widmet sich intensiv dem Kind. Seine Krippenerzieherin ist dabei, hält sich aber zunehmend im Hintergrund.

Nachdem die Kontaktaufnahme geglückt ist und das Kind sich wohl fühlt, zieht sich die Krippenerzieherin zurück und verlässt das Gruppenzimmer. Diese Trennung dauert je nach Kind 30-60 Minuten.

Verlief die Trennung gut, werden die Zeiten weiter ausgedehnt bis schließlich der ganze Vormittag bewältigt werden kann.

Die Krippenerzieherin gibt den Eltern immer wieder Feedback wie die Eingewöhnung verläuft und welche Fortschritte gemacht wurden.

Nachdem das Kind schon den ganzen Vormittag im Kindergarten verbringt, naht auch schon der Tag des Abschieds. Diesen letzten Tag verbringt das Kind noch einmal komplett in der Krippengruppe, wo schließlich Abschied gefeiert wird.

Gemeinsam mit dem Kind werden die persönlichen Sachen gepackt und ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Eingewöhnung von Kindern, die vorher nicht unsere Krippe besuchten…

Zu Anfang steht immer das Anmeldegespräch zwischen den Eltern und der Kindergartenleitung, die ausführlich unsere Arbeit beschreibt und einen konzeptionellen Rundgang durch die Einrichtung macht.

Bekommt ein Kind eine Zusage zu einem bestimmten Termin, setzt sich die zuständige Erzieherin etwa 4 Wochen vorher mit den Eltern in Verbindung und macht einen Termin für ein Erstgespräch aus. Bei diesem Gespräch geht die Erzieherin, mit den Eltern, eine von uns konzipierten Fragebogen durch, um sich einen ersten Eindruck vom Kind zu verschaffen. Im Vordergrund steht aber erst mal der gute Kontakt zu den Eltern, die natürlich auch wissen möchten wem sie ihr Kind anvertrauen. Sind Allergien, Gewohnheite, Spielvorlieben, Entwicklung bis dato und Fragen der Eltern besprochen, bekommen die Eltern noch eine Liste mit benötigten Kindergarten- Utensilien und der erste Tag der Eingewöhnung wird vereinbart.

Der erste Besuch im Kindergarten findet ohne Trennung statt. Das Elternteil bleibt für eine kurze Weile mit dem Kind in der Gruppe und geht nach etwa einer Stunde wieder nach Hause.

Am zweiten Tag kommt das Kind wieder mit einem Elternteil und die Bezugserzieherin widmet sich intensiv dem Kind, während das Elternteil sich zwar im Raum befindet, aber zunehmend im Hintergrund hält.

Ist die Kontaktaufnahme gut geglückt und das Kind signalisiert, dass es sich wohlfühlt, kann am nächsten Tag die erste Trennung vollzogen werden. Deren Dauer beträgt etwa 30- 45 Minuten. Verlief die Trennung gut, wird individuell entschieden, wie lange die nächsten Trennungen sind; solange bis der ganze Vormittag bewältigt werden kann.

Kinder, die schon vorher fremdbetreut waren, gewöhnen sich in der Regel schneller in den Kindergarten ein, so dass die Eingewöhnung individuell auch anders ablaufen kann.

Alle Eltern werden darüber informiert, dass eine Eingewöhnung auch länger dauern kann und sie sich auf jeden Fall genügend Zeit dafür einplanen müssen, denn nur wenn Kinder eine gute Bindung zu ihrer Erzieherin aufgebaut haben, fühlen sie sich richtig wohl im Kindergarten und können sich gut entwickeln.